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klassik.com
Rezension von Matthias Lange (19.05.2005)
Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:


Bruckner, Anton:
Symphonie No.7 (arr. for chamber ensemble)
Die andere Symphonie
"Als sich die Väter der zweiten Wiener Schule von den kompositorischen Prinzipien ihrer Vorgänger lösten, taten sie dies nicht mit der Geste der Ã?berlegenheit und Verachtung â?? mit dem im November 1918 gegründeten â??Verein für musikalische Privataufführungenâ?? widmeten sie sich zeitweise auch der in ihren Augen â??wahrenâ?? Interpretation der groÃ?en Werke der Spätromantiker. Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern versuchten, neben zeitgenössischen Werken die Musik ihrer österreichischen Vorgänger Mahler und Bruckner von Pathos und falschem Glanz des gängigen philharmonischen Betriebs zu befreien. In Ermangelung eines Orchesters wurden die gröÃ?er besetzten Stücke eigens für die Aufführungen des Vereins in kleineren Besetzungen arrangiert. Verantwortlich waren hierfür im Falle der 7. Symphonie Bruckners die Schönberg-Schüler Hanns Eisler, der den Kopfsatz und das Scherzo bearbeitete, Erwin Stein, der sich mit dem Adagio befasste und Karl Rankl, der das Finale für eine gemischte Kammerbesetzung einrichtete.
Die Einrichtung
Im Ergebnis tritt dem Hörer, der mit dem Brucknerschen Schaffen vertraut ist, ein merkwürdig doppelgesichtiges Werk entgegen: Die Transkription der jungen Komponisten belässt den Streichersatz â?? freilich auf ein Solistenquintett reduziert â?? weitgehend unverändert, platziert ein Horn an Stelle des gesamten Blechs und stellt ihm zur Auffüllung des Klanges ein im Fortissimo vierhändiges Klavier zur Seite. Ã?hnlich wird mit dem Register der Holbläser verfahren, das stellvertretend durch die Klarinette und den charmanten Akzent eines Harmoniums repräsentiert wird. Einerseits lässt dieses Vorgehen manch figuratives Detail, manche kompositorische Raffinesse stärker hervortreten. Zudem lassen sich in dieser luftigeren Anlage die architektonischen Strukturen, die Verhältnisse zwischen den Registern klarer heraushören. Auch ein Zugewinn an musikalischer Delikatesse offenbart sich durch den â?? zwangsläufig â?? stärker kammermusikalisch geprägten Zugriff der Instrumentalisten.
Doch gibt es da auch eine andere Seite: Zwar ist es zweifellos sinnvoll, diese Ã?bertragung nicht mit dem â??symphonischen Ohrâ?? zu hören, sondern das Konzept der klanglichen Reduktion, des Abtragens überflüssiger romantischer Schlacke ernst zu nehmen â?? und die Entstehung eines durchaus reizvollen, klanglich oft rauen und herben kammermusikalischen Werks zu registrieren. Doch bleiben da zwangsläufig Ungereimtheiten in der konzeptionellen Anlage, muss die eingeschränkte dynamische Palette akzeptiert werden, ist die Verlagerung mancher für die Komposition wichtigen Stimme in den Untergrund des Klaviers zu beklagen, verbirgt das stark veränderte Klangbild auch substantiell Wichtiges.
Die Ausführung
Auch in der Ausführung durch das Thomas Christian Ensemble zeigt sich diese Widersprüchlichkeit: Ein solides, in manchen solistischen Passagen der Ersten Violine, der Klarinette oder des Horns qualitativ erstklassiges Musizieren prägt das enorm ausgewogene Klangbild, das seinen besonderen Reiz in den Piano-Passagen erkennbar werden lässt. Doch die Grenzen des dynamischen Spektrums dieser Besetzung werden ebenso deutlich: Besonders die hohen Streicher, in den Symphonien Bruckners nicht selten im kraftraubenden Tremolo gefordert oder in chromatisch gesteigerten Figuren zu Höchstleistungen angetrieben, müssen der fast unveränderten �bertragung ihrer Stimmen aus dem Original Tribut zollen und bleiben in derartigen Steigerungssituationen klanglich chancenlos. Besonders positiv fällt dagegen die homogene Ausführung der dezenteren Passagen auf, in denen sich das Ensemble als einfühlsam und stilvoll gestaltende Einheit präsentiert.
Diese Bearbeitung der 7. Symphonie Anton Bruckners wurde in Schönbergs Verein, der nur bis 1921 bestand, nie gespielt â?? dennoch ist sie ein insgesamt gelungenes Zeugnis des Versuchs der Neuerer, die Arbeit der von den eigenen Vorstellungen und Prämissen entfernten Vorgänger zu würdigen und das Erreichte in die musikalische Zukunft zu transferieren. "
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Rezension

Andrew Joy: cor à cor
Werke von Ligeti, Pröve, Grisey, Messiaen und Scelsi

Interpret: Andrew Joy (Horn), Christine Chapman (Horn), James Avery (Klavier), Christian Ostertag (Violine)
Verlag/Label: edition zeitklang ez 12014
Rubrik: CDs
Ausgabe 02/2007, Seite 94
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Diese CD ist eine Koproduktion von WDR3 und der â??edition zeitklangâ??, mit einer Reihe von CD-, DVD- und CD-ROM-Aufnahmen Interpreten und Komponisten zeitgenössischer Musik födert. Das Booklet ist informativ und enthält viele Fotos.
Der Hornist Andrew Joy, gebürtiger Australier und seit 1978 Solohornist beim WDR Sinfonieorchester Köln verfügt über eine ausgereifte Technik, die es ihm erlaubt, sich mit den enormen Herausforderungen der Werke auseinander zu setzen.
Das Ligeti-Trio (komponiert 1982) für Violine, Horn und Klavier ist nicht die erste, aber durchaus eine lohnende und hervorragend eingespielte Aufnahme mit Christian Osterhag (Violine) und James Avery (Klavier). Sie ist sehr durchsichtig und ausgewogen. Alle drei Instrumente sind gleicherma�en präsent und spielen homogen, was für Ligetis harmonische Klangflächen au�erordentlich wichtig ist. Die verschiedenen Klänge verschmelzen miteinander.
Obwohl zwischen den Kompositionen für Solo-Horn von Pröve und Messiaen mehr als 20 Jahre liegen, stellen sie gleiche spieltechnische und musikalische Anforderungen an den Künstler. Beide Komponisten reizen die Möglichkeiten der Dynamik, extremen Lagen und Tempi voll aus und verwenden sämtliche horn-typischen Kompositionseffekte wie Lippentriller, Flatterzunge und Glissandi auf halb gedrückten Ventilen. Auch komplizierte Rhythmen werden verlangt.
Quattro Pezzi (1956) für Horn solo von Giacinto Scelsi ist durch die vierteltönigen Abweichungen von der diatonischen Skala ein Wegweiser für die zeitgenössische Hornliteratur. Olivier Messiaens Thème et Variations (1932) für Violine und Klavier ist das einzige Werk auf dieser CD ohne Horn. Das Stück fällt auf, nicht nur wegen seiner Besetzung, sondern auch wegen der tonalen Kompositionsweise, wunderbar eingespielt von Ostertag und Avery. Bei Gérard Griseys Accords perdus für zwei Hörner wird Andrew Joy von Christine Chapman wunderbar ergänzt. Die bezaubernden Hornklänge verschmelzen durch mikrotonale Verschiebungen und technische Läufe miteinander.
Die Aufnahmetechnik ist exzellent, die Balance zwischen den Spielern sehr ausgewogen. Die Tonwiedergabe ist sehr klar und instrumentengetreu. Das Horn klingt wirklich wie ein Horn. Verantwortlich dafür ist, neben den Interpreten, Tonmeisterin Barbara Valentin, die Toningenieurinnen Walburga Dahmen und Susanne Ehrmann sowie die Tontechnik: Dirk Franken, Karin von Gro� und Angelika Schrami. Au�ergewöhnliche Werke werden auf dieser CD auf hervorragende Weise für jedermann zugänglich gemacht.
Thomas Swartman